GusGus (Kompakt - Reykjavik, Island)
Samstag, 21. August 2010, 20:00 Uhr, Theatervorplatz
| VVK voll | erm. | AK voll | erm. |
| 9,00 | 7,00 | 11,00 | 9,00 |
Jokerkarten gelten
Es war letztlich ein nordafrikanisches Grießgericht, dass GusGus den Namen gab. Und natürlich Rainer Werner Fassbinder. In dessen Film „Angst essen Seele auf“ spielt der Couscous eine zentrale Rolle, und die Gastwirtin, die ihn für Gastarbeiter Ali bereitet, spricht es weich und sinnlich, GusGus eben.
Die Verbindung zu Fassbinder und die schwül-ironische Namensherleitung sagt eindeutig: GusGus ist keine normale Band. GusGus ist eine sich beständig fortentwickelnde Welt multimedialer Electro-Performance-Ereignisse, getragen von einem zeitweise über ein Dutzend Mitglieder umfassenden isländischen Künstlerkollektiv.
Keimzelle der Band war denn auch ein Kurzfilmdreh 1995 in der Reykjaviker DJ-Künstlerszene, bei dem ein Teil der Beteiligten um Daníel Ágúst Haraldsson, Hafdís Huld, Birgir „Biggi Veira“ Thoranisson oder Magnus „Buckmaster de la Cruz“ Guðmundsson beschloss, doch einfach gemeinsam einen Soundtrack aufzunehmen. Dieses legendäre erste Album, bei dem unter anderem auch Emiliana Torrini als Sängerin beteiligt war, entwarf ein ziemlich verrücktes Netz aus harter, erotisch aufgeladener Club-Dancemusik, Avantgardehouse und Souljazz, bereichert durch Videoclips und eine ausufernde Bühnenshow. Das Debüt verschaffte der Gruppe sofort immense Aufmerksamkeit in Island und schickte Wellen bis nach Großbritannien, wo die Labelbetreiber von 4AD die Ohren spitzten und GusGus unter Vertrag nahmen. Der folgende europaweite Erfolg als avantgardistisches Electro-Liveart-Projekt brachte zwei weitere Alben und Dutzende Clubauftritte; eine große, als Gesamtkunstwerk aus Musik, Video, Bühnenbild und Tanz angelegte Tournee im Jahr 2000 erwies sich jedoch als derart aufwändig, dass sie nach einigen Auftritten abgebrochen wurde. Viele GusGus-Mitglieder wandten sich daraufhin wieder anderen Unternehmungen zu, doch führte dieser Prozess keineswegs zur Auflösung, sondern lediglich zu neuen Ufern. GusGus sampelte sich einfach selbst, erweiterte sich um neue Mitstreiter und fügte musikalische Gedanken hinzu, die zu einer Entfernung vom ursprünglichen Club-Soulsound hin zu klassischen Oldschool-Techno-Gedanken führten. Aktuell besteht GusGus aus den drei Gründervätern Ágúst Haraldsson, Biggi Veira Thoranisson und Stephan „President Bongo“ Stephensen. Die Entwicklung zur eher puristischen elektronischen Musik vollzogen sie auch durch einen Wechsel zum Kölner Label Kompakt im Jahre 2009, begleitet von der Veröffentlichung „24/7“. Doch auch bei diesem Album blieb die gute GusGus-Tradition der Liveperformance erhalten, alle spielten gemeinsam in einem Studio im tiefsten Nordwesten Islands und transportieren so genau die Energie, die GusGus unter den Electronica-Bands so besonders macht: als eigentlich klassische Rock ’n’ Roller, die eben nur ihre Instrumente gegen Sampler und Modul-Synthesizer eingetauscht haben. Aber deswegen nicht weniger rocken. Ganz im Gegenteil.







