Max Herre (Deutschland)

Samstag, 07. August 2010, 20:00 Uhr, Theatervorplatz

VVK voll erm. AK voll erm.
12,00 9,00 14,00 11,00

Jokerkarten gelten nicht

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Manchmal geschehen Veränderungen im großen Musikbusiness, die uns daran erinnern, dass es Menschen sind, die die Töne erzeugen und die Emotionen dahinter. Gott sei Dank. Aus Prince wird The Artist, aus Sinead O’Connor eine Priesterin und aus Technohead Jamie Lidell ein Funkbrother.

Und Max Herre ist jetzt eben beschwingt-besinnlicher Folklyriker. Max Herre? Für viele nur Ex-Freundeskreis, seit einiger Zeit aber für immer mehr auch einer der Vollblutmusiker, die sich immer wieder neue Wirkungskreise suchen. Und ihren Weg gehen. Und dieser war bei Max Herre durchaus ein verschlungener. Vom flippigen Stuttgarter Kunstaktivisten (er mitbegründete dort 1993 das Künstlerkollektiv „Kolchose“) über die erste Band Maximilian und sein Freundeskreis bis hin zur höchst erfolgreichen Hiphop-Formation Freundeskreis mit frühen Sternstunden des deutschen Sprechgesangs wie „AN-N-A“ oder „Esperanto“. Das war 1999 ein veritabler Nummer-eins-Hit. Es folgten weitere, mit Freundeskreis und den FK Allstars (eine Art Gipfelkonferenz der deutschen Rap-Soul-Szene mit Kollegen wie Gentleman, Joy Denalane und Sékou). Und Max Herre – sagte erst mal Ade. Zog sich von der Bühne zurück, wurde Familienvater und Produzent. Doch ja, es ist alles in Bewegung. Freundeskreis löste sich auf, die FK Allstars gingen wieder ihrer eigenen Wege und auch das zurückgezogene Familienleben strauchelte. So ist Max Herre heute ein anderer. Mutiert vom Hiphopper zum lupenreinen Singer-Songwriter, der mehr Nick Drake denn Jay-Z und mehr Udo Lindenberg denn Bob Marley in sich findet. Von Vorletzterem gibt Herre auch an, er sei sein erster Plattenkauf gewesen und bis heute wohl größtes Vorbild. Was wiederum viel aussagt über Mut und Bandbreite eines schwäbischen Reggae-Hiphop-Stars. Denn Lindenbergs nölige, zutiefst emotionale Spontanlyrik läuft rhythmischem Sprechgesang ja scheinbar konträr entgegen.

Das inzwischen zweite Soloalbum, das er 2009 fünf Jahre nach dem Debüt „Max Herre“ veröffentlichte, zeigt ganz deutlich neue Wege: deutschsprachiges Liedgut, kein Sprechgesang, aber Lindenbergisch-direkte, persönliche Worte zu allem, was das (Herre-)Herz so bewegt. Dass das nicht in Betroffenheitslyrik endet, dafür sorgt der eindeutig amerikanisch inspirierte Drive der neuen Bandkumpels Roberto Di Gioia, Frank Kuruc, Christian Diener und Earl Harvin. Da wippt die Westernklampfe, da seufzt das Piano, da zaubern Bass und Bongos einen swingenden Rhythmus, der wohl selbst in widerständigen Herzen ein kleines Lagerfeuer entzündet, samt Dosenbohnen und dem Gaul an der Hand zum sofortigen Weiterreiten gen Sonnenuntergang (na klar!).  Nein, ewige Melancholie ist Max Herres Sache nicht. Wohl aber tiefgehende Lyrik und emotionales Bekenntnis. Das hat er sich vielleicht aus dem Hiphop hinübergerettet, in ein neues, folkiges Musikerleben.