Shibusa Shirazu Orchestra (Japan)

Samstag, 17. Juli 2010, 20:00 Uhr, Theatervorplatz

VVK voll erm. AK voll erm.
9,00 7,00 11,00 9,00

Jokerkarten gelten

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Wer oder was ist Shibusa Shirazu? Die einen sagen, dies bedeute „die keine Grenzen kennen“, andere meinen, es heiße „sei niemals kühl“. Was immer aber die Übersetzung ist, Namen sind eh Schall und Rauch bei Shibusa Shirazu, denn diese japanische Band (wenn man das zu einem 40-köpfigen Großkollektiv sagen kann) ist mehr – Shibusa Shirazu ist ein Gesamtkunstwerk.  Ein als Jazzorchester verkleideter Mangaclip, eine wandelnde Multimedia-Revue, ein Freestylejazz-Gewitter, von dem John Coltrane nicht einmal in seinen fiebrigsten Nachtstunden geträumt hätte. Kein Wunder, dass sich die Geschichte der Gruppe aus dem Theater herleitet.

Vor zwanzig Jahren suchte der Bassist Daisuke Fuwa Mitspieler für Theaterperformances der japanischen Avantgardegruppe Hakken No Kai. Hier, inmitten einer kleinen, überschäumenden Tokioter Vorstadtszene aus Tänzern, Sängern, No- und Butoh-Darstellern und allen möglichen anderen Künstlern fand Fuwa genau den Nährboden, aus dem sich das verwirrende Nachtschattengewächs Shibusa Shirazu entwickeln sollte. Insgesamt an die 100 Künstler firmieren mehr oder weniger locker unter dem Shibusa-Dach, um die 30 bis 40 treten jeweils zu gemeinsamen Shows auf. Hier loten weiß gekalkte Butoh-Tänzer mit stummen Blicken Tiefen japanischer Symbolik aus, gekontert von leuchtend glitzrigen Go-Go-Girls, im Hintergrund erschafft eine Videokünstlerin gezeichnete Geisterwelten und über allem schwebt ein riesiger Zeppelin-Silberdrache. Wo andere bereits erschöpft enden würden, fängt Shibusa Shirazu aber gerade erst an: Die überreiche Kombination aus japanischen Geistern und modernen Show-Elementen bildet „nur“ den Rahmen für ein wiederum mehr als 20-köpfiges Jazzorchester. Beeinflusst von Gruppen wie Gil Evans Orchestra, Sun Ra Arkestra oder dem Instant Composers Pool drängen sie straight forward in den spannungsgeladenen Raum zwischen klassischer Bigband-Harmonik und drängender Freejazz-Improvisation.  Das Ergebnis ist eine ziemlich einmalige Mischung aus Jazz, traditionellen Gagaku-Liedern, westlichem Funk, Ska und Rock, gelegentlichen Triphop-Anklängen und deutlicher Balkanbeat-Freundschaft. In jedem Falle: ein unfassbares Erlebnis, allein durch die schiere Überwältigungstaktik des Riesenensembles.  Der suggestiven Kraft der listigen Allround-Performer entkommt niemand – sie bedienen buchstäblich jeden medialen Kanal, den die menschliche Sinneswelt bietet.  Wobei ein dicker Schlag Humor ebenfalls zu ihren vielen Talenten gehört.