Staff Benda Bilili (Congo)
Montana Kinunu Ntunu – Schlagzeug
Coco Ngambali Yakala – Gitarre, Gesang
Djunana Tanga Suele – Gesang
Léon Ricky Likabu Makodu – Gesang
Roger Landu Satonge – Gesang
Kabose Kabamba Kasongo – Gesang
Cavalier Kiara Mayingi – Bass
Théophile Nsituvuidi Nzonza – Gitarre, Gesang
Samstag, 14. August 2010, 20:00 Uhr, Theatervorplatz
| VVK voll | erm. | AK voll | erm. |
| 9,00 | 7,00 | 11,00 | 9,00 |
Jokerkarten gelten
Sie sind die wahren Journalisten, Berichterstatter aus einer versehrten Stadt. Staff Benda Bilili kommen aus Kinshasa, der riesigen Metropole am Kongo-Fluss, deren Straßen schon mehr als einen Krieg und mehr als eine Hungersnot gesehen haben. Aber auch mehr als einen Musikstil und Heerscharen von Liedern und Instrumenten, die nur in einem solchen urbanen Schmelztiegel zu finden sind.
Von genau diesen beiden Extremen haben sie viel zu erzählen, die Mitglieder von Staff Benda Bilili, denn hier haben sich die exponiertesten Vertreter der Straßenmusiker von Kinshasa zusammengetan, um alles zu zeigen aus ihrer Heimat am Kongo, nicht nur die Kriegsbilder, auch nicht nur die weltmusikalisch aufpolierten „ursprünglichen“ Musikstile, sondern alles eben, ihr Leben. Und sie haben auch alles Recht dazu, denn sie leben diesen Zwiespalt jeden Tag, als Kriegsversehrte, Polioverkrüppelte, Außenstehende aus den verschiedensten Gründen. Die beiden Gründer, Ricky Likabu und Coco Ngambali, formierten die Gruppe, um das Einzige zu retten, was der Krieg nicht rauben kann, die eigene Lebensfreude und den Spaß am gemeinsamen Musizieren, in ihren Rollstühlen und mit selbstgebauten Instrumenten.
Die Musik, die sie dabei über die Jahre entwickelten, steht dabei mindestens auf dem gleichen hohen Niveau wie ihr soziokultureller Wert. In der Staff Benda Bilili kommen alle musikalischen Ingredienzen zusammen, die das tägliche Leben in Kinshasa anspült, von der kongolesischen Rumba über afrokubanische Balladen bis hin zu Funk-Soul-Anleihen. Diese musikalischen Anleihen gehen zurück auf die goldene Zeit der kongolesischen Tanzmusik der 70er Jahre, als James Brown ein unvergessenes Konzert in Kinshasa spielte und die älteren Musiker der Staff Benda Bilili ihre eigenen Godfathers of Kongo Music hörten, Franco & OK Jazz, Tabu Ley oder Docteur Nico, erweitert durch Anleihen aus dem täglichen Straßenleben einer ins Unermessliche wachsenden Slum-Metropole.
Der belgische Musikproduzent Vincent Kenis produzierte mit Staff Benda Bilili 2006 ein eigenes Album, genannt „Très Très Fort“, und machte sie damit über Kinshasa hinaus bekannt. Der Titel steht ganz direkt für die Funktion, die diese Musik in ihrer Welt hat, sie sorgt für Überlebenswille und tägliche Stärke, den Alltag auch und gerade durch Musizieren bewältigen zu können. Bei der Musikmesse WOMEX 2009 schlug denn die Verbindung von musikalischer Qualität und echter Notwendigkeit auch die versammelte Musikergemeinde in ihren Bann und sorgte für den ersten Preis. Einer derart zwingenden Musikalität kann sich selbst der abgeklärteste westliche Musikkenner kaum entziehen. Und sie haben es auch verdient, die Musiker der Staff Benda Bilili, denn ihre auf die WOMEX folgende Tour durch Europa wollen sie auch als Botschaft verstanden wissen, als Musikjournalismus aus einer alltäglichen, zerrissenen Welt.








